AfD zerreißt innerparteilicher Machtkampf um Außenpolitik und Russland-Kurs
Philipp HuberAfD zerreißt innerparteilicher Machtkampf um Außenpolitik und Russland-Kurs
Ein erbitterter innerparteilicher Streit reißt die rechtspopulistische AfD in Deutschland auseinander. Im Mittelpunkt des Konflikts steht die Außenpolitik, wobei tiefe Gräben die Haltung gegenüber den USA, Russland und der NATO spalten. Die Spannungen haben sich nach umstrittenen Äußerungen und Machtkämpfen zwischen verfeindeten Lagern weiter zugespitzt.
Der Streit ist das Ergebnis jahrelanger radikaler Kurswechsel der Partei. War die AfD einst eine gemäßigtere EU-skeptische Kraft, fordert sie heute einen vollständigen Bruch mit den westlichen Bündnissen und stattdessen eine engere Anbindung an Russland und China.
Der jüngste Eklat entzündete sich an Martin Sellners umstrittenem "Remigrations"-Plan, der selbst deutsche Staatsbürger erfassen könnte. Das Bundesverfassungsgericht erklärte den Vorschlag für verfassungswidrig und als Verletzung der Menschenwürde. Die Parteivorsitzenden Tino Chrupalla und Alice Weidel hatten Mühe, sich von Sellners Ideen zu distanzieren – die AfD steht seither isoliert da, von anderen politischen Kräften gemieden.
Rüdiger Lucassen, verteidigungspolitischer Sprecher der AfD, ist zu einer Schlüsselfigur in der Auseinandersetzung geworden. Seine Unterstützung für die NATO und seine Kritik an Russland als Bedrohung für das Bündnis haben ihn zum Ziel der Parteigegner gemacht. Er wirft der prorussischen Fraktion um Björn Höcke vor, ihn aus seinem Amt drängen zu wollen. Ein weiterer Sicherheitsexperte, Hannes Gnauck, hatte während der Iran-Krise eine proamerikanische Stellungnahme ausgearbeitet – doch die Parteiführung blockierte deren Veröffentlichung.
Der AfD-Abgeordnete Maximilian Krah widersprach öffentlich Chrupallas Forderung nach einem Abzug der US-Truppen aus Deutschland. Krah argumentierte, Deutschland brauche starke Partner, und stellte sich damit direkt gegen den antiamerikanischen Flügel der Partei. Er warnte, die harte Linie der AfD in der Migrationspolitik und ihre Ablehnung westlicher Bündnisse könnten die Partei dauerhaft von der Regierungsfähigkeit ausschließen.
Der Wandel der AfD ist dramatisch: Zwischen 2014 und 2024 entwickelte sich ihr Programm von gemäßigter EU-Kritik hin zu Forderungen nach einem "Dexit" – dem Austritt Deutschlands aus der EU – und einem Bruch mit der NATO. Heute propagiert die Partei, Deutschland solle sich vollständig von den westlichen Bündnissen abwenden und stattdessen mit Russland und China verbünden.
Der interne Machtkampf offenbart einen grundsätzlichen Richtungsstreit über die Zukunft der AfD. Ihre radikalen außenpolitischen Positionen haben die politische Isolation noch verstärkt – Kritiker werfen der Partei vor, demokratische Werte zu untergraben. Der Ausgang dieses Konflikts wird entscheiden, ob die AfD eine Randgruppe bleibt oder einen gemäßigteren Kurs einschlägt.
Aktuell ist die Partei gespalten: zwischen Befürwortern der westlichen Bündnisse und jenen, die eine radikale Hinwendung zu Moskau und Peking fordern.






