Brandenburg testet neue 20-Tage-Regel für Apotheken-Notdienste – mehr Fairness, aber längere Wege?
Paul SimonBrandenburg testet neue 20-Tage-Regel für Apotheken-Notdienste – mehr Fairness, aber längere Wege?
Pilotprojekt der Brandenburgischen Apothekerkammer soll Notdienst-System reformieren
Ein neues Pilotprojekt der Brandenburgischen Apothekerkammer (LAK) zielt darauf ab, den Apotheken-Notdienst grundlegend zu reformieren. Von 1. März bis 31. Dezember 2023 sollen die Änderungen die Arbeitsbelastung fairer verteilen und gleichzeitig sicherstellen, dass Patienten weiterhin Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten haben. Während einige Apotheker die Neuerungen bereits begrüßen, gibt es weiterhin Bedenken hinsichtlich der Versorgung in ländlichen Regionen.
Kern der Reform ist eine 20-tägige Rotationsregelung für die Notdienste, die das bisherige System ersetzt. Dadurch werden die Bereitschaftsdienste gleichmäßiger auf die Apotheken verteilt und der Druck auf einzelne Teams verringert. Peter Schmieder, Apotheker in Golzow, bezeichnete die Änderung als Entlastung, zeigte sich aber zurückhaltend optimistisch, was die langfristigen Auswirkungen angeht.
Finanzielle Anreize wurden ebenfalls erhöht: Das neue System könnte die bisherige Vergütung für Notdienste fast verdoppeln – eine Maßnahme, die Thomas Müller, Abteilungsleiter im Bundesgesundheitsministerium (BMG), als "vergoldet" bezeichnete. Jens Dobbert, Präsident der LAK, verteidigte die Reform als notwendigen Schritt, um die Arzneimittelversorgungssicherheit zu gewährleisten und die Widerstandsfähigkeit der Apotheken zu stärken.
Doch die Umstellung hat auch Schattenseiten: Besonders in ländlichen Gebieten könnten Patienten längere Anfahrtswege zu einer Bereitschaftsapotheke in Kauf nehmen müssen. Dennoch betont die LAK, dass das neue Modell die langfristige Medikamentenversorgung sichere und die vorhandenen Personalkapazitäten besser nutze.
Das Pilotprojekt soll zeigen, ob die 20-Tage-Rotation die Fairness für Apotheker verbessert, ohne die Patientenversorgung zu beeinträchtigen. Bei Erfolg könnte das System dauerhaft in Brandenburg eingeführt werden. Die Ergebnisse werden auch darüber entscheiden, ob ähnliche Reformen bundesweit übernommen werden.






