21 March 2026, 20:04

Der Tag von Potsdam: Wie ein Händedruck die NS-Diktatur einleitete

Ein Denkmal aus Stein für deutsche Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg starben, steht vor einer Kirche mit einem Kreuz, umgeben von Bäumen und einer Mauer.

In der Garnisonkirche: Gedenkfeier zum 'Tag von Potsdam' - Der Tag von Potsdam: Wie ein Händedruck die NS-Diktatur einleitete

21. März 1933 bleibt eines der düstersten Daten der deutschen Geschichte. Als Tag von Potsdam markiert er den symbolischen Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft. Im Mittelpunkt des Geschehens stand die Garnisonkirche, vor deren Türen sich der inzwischen berüchtigte Händedruck zwischen Reichskanzler Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg ereignete.

Der Tag von Potsdam war eine inszenierte Demonstration der Einheit zwischen der alten konservativen Elite und der aufstrebenden NS-Bewegung. Hindenburg, ein angesehener Feldmarschall des Ersten Weltkriegs, verlieh Hitlers Regierung durch sein Auftreten an dessen Seite Legitimität. Der fotografisch festgehaltene Händedruck wurde zum Propagandainstrument, um der Bevölkerung während des Übergangs von der Weimarer Republik in die Diktatur Sicherheit zu vermitteln.

Die Garnisonkirche selbst wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, doch ihre Ruinen blieben nicht erhalten. 1968 ließ die DDR-Führung unter Walter Ulbricht die Überreste sprengen – eine Entscheidung, die später mit ideologischen "Säuberungen" in Anlehnung an Chinas Kulturrevolution in Verbindung gebracht wurde. Brunhilde Hanke, die damalige SED-Oberbürgermeisterin, bedauerte die Abrissmaßnahme später.

Jahrzehnte später begannen in den 2010er-Jahren die Bemühungen um einen Wiederaufbau der Kirche, angestoßen durch die 2004 von dem evangelischen Kirchenführer Wolfgang Huber initiierte Potsdamer Ruf-Kampagne. Der Turm wird derzeit errichtet, und die Montage des Dachstuhls soll nach Ostern 2026 beginnen – trotz winterbedingter Verzögerungen. Doch das Projekt bleibt hochumstritten. Kritiker warnen, die Rekonstruktion der mit der NS-Machtergreifung eng verbundenen Kirche könnte eine schmerzhafte Vergangenheit verherrlichen.

Jährlich findet am historischen Ort eine Gedenkveranstaltung statt, die an die Ereignisse des 21. März 1933 erinnert – ein Datum, das weithin als der eigentliche Beginn des "Dritten Reiches" gilt.

Der Wiederaufbau der Garnisonkirche entfacht weiterhin Debatten über Erinnerungskultur und Verantwortung. Während Befürworter darin die Bewahrung von Geschichte sehen, mahnen Gegner die symbolische Last des Bauwerks an. Die Zukunft des Gebäudes bleibt eng mit Deutschlands Auseinandersetzung um seine Vergangenheit verknüpft.

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