EMAF in Osnabrück: Streit um palästinensische Künstlerin spaltet Politik und Kultur
Julian HerrmannEMAF in Osnabrück: Streit um palästinensische Künstlerin spaltet Politik und Kultur
In Osnabrück ist ein politischer Streit um die Teilnahme der palästinensischen Künstlerin Rula Al-Sharif am diesjährigen European Media Art Festival (EMAF) entbrannt. Ihr Kurzfilm Morning Circle bleibt zwar im Programm, doch das Festival sieht sich wegen früherer Äußerungen der Künstlerin massiver Kritik ausgesetzt. Lokale und Landesvertreter haben sich in Reaktion auf die Kontroverse von der Veranstaltung distanziert.
Im Mittelpunkt der Debatte stehen Al-Sharifs Beiträge in sozialen Medien, die von manchen als antisemitisch oder als Unterstützung der Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionen-Bewegung (BDS) interpretiert werden. Die Angelegenheit spaltet die Meinungen: Während die Festivalverantwortlichen die künstlerische Freiheit verteidigen, verurteilen Politiker die wahrgenommene Radikalität.
Die Kontroverse begann, als Al-Sharifs Einladung zum EMAF 2025 Anfang dieses Jahres auf Widerstand stieß. Im März führten Proteste von pro-israelischen Gruppen und Befürwortern der Meinungsfreiheit zu einer teilweisen Rücknahme ihrer Teilnahme. Institutionen wie das Goethe-Institut schlossen sich der Kritik an und verwiesen auf ihre angeblichen Verbindungen zu BDS sowie auf mehrdeutige Online-Inhalte – darunter ein Halloween-Foto, das manche als provokant empfanden.
Osnabrücks Kulturdezernent Wolfgang Beckermann erklärte, er hätte es vorgezogen, wenn das Festival Al-Sharifs Werk ausgeschlossen hätte. Die Stadt selbst hat sich öffentlich vom EMAF distanziert, während Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies seine Schirmherrschaft für die Veranstaltung zurückzog. Dennoch betont die Landesregierung, sie respektiere die Programmentscheidungen des Festivals, lehne Antisemitismus jedoch entschieden ab.
Das EMAF hat in der Vergangenheit bereits mit palästinensischen Künstlern zusammengearbeitet und auch jüdische sowie israelische Stimmen in sein Programm einbezogen. Unterdessen argumentiert Thomas Groß, der Oberbürgermeisterkandidat der Linken in Osnabrück, gegen die Unterdrückung palästinensischer Perspektiven. Er besteht darauf, dass die Debatte sich auf Al-Sharifs künstlerischen Beitrag konzentrieren solle – nicht auf ihre politischen Ansichten.
Kritiker verweisen jedoch auf ihre Social-Media-Aktivitäten als Beleg für spaltende Rhetorik. Unterstützer entgegnen, die Beiträge seien interpretationsfähig und sollten ihr Filmschaffen nicht überschatten. Der Streit wirft nun grundsätzliche Fragen zu den Grenzen zwischen freier Meinungsäußerung und politischer Diskurskultur in kulturellen Räumen auf.
Al-Sharifs Film wird zwar wie geplant beim EMAF gezeigt, doch das Festival leidet unter den Folgen der Kontroverse. Während Stadt und Land ihre Positionen klar bezogen haben, halten die Veranstalter an ihrer Entscheidung fest, das Werk zu zeigen. Die Debatte verdeutlicht die anhaltenden Konflikte um künstlerische Freiheit, politischen Aktivismus und die Grenzen zulässiger Äußerungen bei öffentlich geförderten Veranstaltungen.






