Kim de l'Horizons Kein Körper passt begeistert nun als Bühnenstück in Berlin
Paul SimonKim de l'Horizons Kein Körper passt begeistert nun als Bühnenstück in Berlin
Kim de l'Horizons gefeierter Debütroman Kein Körper passt erobert nun als packende Bühnenadaption die Theaterwelt
Am Dienstagabend feierte das Stück im ausverkauften Vaganten Bühne-Theater in Berlins Charlottenburg Premiere. In neunzig Minuten bringt die Inszenierung die tief persönliche Auseinandersetzung der Autor:in mit Identität, Familie und Heilung auf die Bühne – eine schonungslos ehrliche Reise, die im gleichnamigen Roman ihren Ursprung findet.
Im Mittelpunkt steht Kim, eine genderfluide Erzählfigur, deren Weg mit der Demenzerkrankung ihrer Großmutter beginnt. Diese Diagnose wirft sie zurück in Kindheitserinnerungen an ein Schweizer Vorstadtidyll, wo sie sich mit transgenerationalen Traumata und einer mütterlich geprägten Ahnenlinie konfrontiert sieht. Ihr Körper, fließend und jeder binären Definition widerstehend, wird zum Schauplatz eines Kampfes gegen starre gesellschaftliche Rollenbilder.
Auf der Bühne verkörpern drei Schauspieler:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – unterschiedliche Facetten von Kims Erfahrung. Zentrales Symbol der Handlung ist eine Blutbuche, gepflanzt von Kims Urgroßvater, die für Verwurzelung und Geborgenheit steht. Unter ihren Ästen findet Kim Schutz, während sie die Schweigespiralen der Familiengeschichte entwirrt.
Das Stück bricht Tabus, indem es Scham in Selbstakzeptanz verwandelt. Kims Suche nach der Rückeroberung des eigenen Körpers und der eigenen Geschichte spiegelt die Themen des Romans wider, der 2022 sowohl mit dem Deutschen Buchpreis als auch dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde. Die Bühnenfassung bleibt dem Original in seiner ungeschönten Ehrlichkeit treu und liefert ein berührendes Porträt von Identität und Zugehörigkeit.
Die Premiere markiert einen mutigen Schritt, um Kim de l'Horizons Geschichte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Indem das Stück Schweigen durchbricht und Fluidität feiert, stellt es Normen infrage und lädt ein, über vererbte Schmerzen nachzudenken. Die ausverkaufte Vorstellung unterstreicht, wie sehr die Erzählung von Widerstandsfähigkeit und Wahrheit beim Publikum ankommt.






