Kölns Stadtarchiv-Einsturz: Nach 14 Jahren beginnt die Aufarbeitung des Traumas
Julian HerrmannKölns Stadtarchiv-Einsturz: Nach 14 Jahren beginnt die Aufarbeitung des Traumas
Ein langjähriger juristischer und baulicher Konflikt in Köln hat nun eine entscheidende Wende genommen. Der Einsturz des Stadtarchivs im Jahr 2009 während U-Bahn-Bauarbeiten forderte zwei Menschenleben und zerstörte Millionen historischer Dokumente. Nach jahrelangen Verzögerungen soll das Gelände nun 2023 endlich weiterentwickelt werden.
Die Katastrophe ereignete sich am 3. März 2009, als der Boden unter einem siebenstöckigen Gebäude nachgab, in dem 1,7 Millionen Akten lagerten. Zwei junge Männer, die in benachbarten Häusern lebten, kamen ums Leben, als die Struktur in sich zusammenfiel. Das Gelände war bereits monatelang instabil gewesen – durch starke Wassereinbrüche war es so überflutet, dass Arbeiter es nur noch per Boot durchqueren konnten.
Spätere Ermittlungen deckten gefälschte Bauberichte, gestohlene Stahlträger und ein weitverbreitetes organisatorisches Chaos auf. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die das Projekt trotz fehlender Erfahrung im großflächigen Tunnelbau leiteten, gerieten massiv in die Kritik. Auch nahegelegene Kirchen erlitten durch den Einsturz Risse und Verformungen, was die Schäden noch vergrößerte.
Die gerichtlichen Verfahren zogen sich über ein Jahrzehnt hin. Bis 2024 kam es zu einer Mischung aus Verurteilungen, Freisprüchen und schließlich finanziellen Strafen. Unterdessen setzt sich die Aktivistengruppe ArchivKomplex seit 2011 für eine Mitsprache bei den Neubauplänen und eine würdige Gedenkstätte auf dem Gelände ein.
Die nach dem Einsturz errichteten provisorischen Betonbarrieren werden nun abgerissen, da die Arbeiten an der Nord-Süd-U-Bahn-Linie wiederaufgenommen werden. Die Entfernung des Betons markiert eine neue Phase für das von Problemen geprägte Gelände. Mit dem Abschluss der Rechtsstreitigkeiten und der Wiederaufnahme der Bauarbeiten rückt nun die Ehrung der Opfer und die Bewahrung des Andenkens an die verlorenen Archive in den Mittelpunkt. Die Stadt steht vor der Aufgabe, den langjährigen Forderungen nach einer angemessenen Erinnerungskultur endlich nachzukommen.






