Merz stellt Kohleausstieg infrage – drohen längere Laufzeiten für Kraftwerke?
Julian HerrmannMerz stellt Kohleausstieg infrage – drohen längere Laufzeiten für Kraftwerke?
Bundeskanzler Friedrich Merz hat Zweifel am geplanten Kohleausstieg Deutschlands geäußert. Er deutete an, dass bestehende Kohlekraftwerke möglicherweise über die vorgesehenen Abschalttermine hinaus betrieben werden müssten. Der Vorschlag kommt angesichts von Befürchtungen über mögliche Energieengpässe und der Geschwindigkeit des Umstiegs auf erneuerbare Energien.
2023 stammten noch etwa 26 bis 27 Prozent des deutschen Stroms aus Kohle – ein Rückgang gegenüber 30 bis 35 Prozent im Jahr 2019. Diese Entwicklung spiegelt den Ausbau der Erneuerbaren wider, die mittlerweile mehr als die Hälfte des Strombedarfs des Landes decken. Dennoch argumentierte Merz, dass Verzögerungen beim Kohleausstieg notwendig sein könnten, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Der Kanzler forderte zudem einen beschleunigten Bau von Gaskraftwerken. Seine Äußerungen folgen einer Entschädigungsvereinbarung in Höhe von 1,75 Milliarden Euro für den Energiekonzern LEAG mit Sitz in Cottbus, die Teil des Kohleausstiegsabkommens ist. Gleichzeitig steht die Lausitzer Bergbauregion vor einem tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandel, da die Braunkohleförderung schrittweise eingestellt wird.
Die Grünen reagierten mit der Aufforderung an Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD), jede Verzögerung abzulehnen. Sie betonten die Bedeutung von Planungssicherheit für die Beschäftigten und die laufenden Investitionen in den Strukturwandel.
Merz' Aussagen könnten den Zeitplan für das Ende der Kohleverstromung in Deutschland verändern. Die Debatte zeigt die Spannung zwischen Energiesicherheit und den Klimazielen des Landes. Jede Verzögerung hätte Auswirkungen sowohl auf die Kohleindustrie als auch auf den Übergang zu saubereren Energiequellen.






