Milo Rau inszeniert provokanten "Prozess gegen Deutschland" bei den Lessing-Tagen
Paul SimonRegisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert provokanten "Prozess gegen Deutschland" bei den Lessing-Tagen
Hamburger Lessing-Tage enden mit provokantem Theaterprojekt: Ein dreitägiger "Prozess gegen Deutschland" unter der Regie des Schweizer Künstlers Milo Rau
Die diesjährigen Hamburger Lessing-Tage schließen mit einem gewagten theatralischen Höhepunkt: einem dreitägigen "Prozess gegen Deutschland", inszeniert vom Schweizer Regisseur und Künstler Milo Rau. Das fiktive Gerichtsverfahren, das im Thalia Theater stattfindet, setzt sich mit der Frage auseinander, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte. Die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin übernimmt den Vorsitz der simulierten Verhandlung, die performative Elemente mit realen juristischen Debatten verbindet.
Die Hamburger Lessing-Tage wurden 2010 vom damaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux als politisches Festival ins Leben gerufen, das sich mit drängenden gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzt. Die diesjährige Ausgabe kuratiert Matthias Lilienthal, der bald die künstlerische Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird. Seine Wahl fiel auf Rau – einen Regisseur, der für die Verschmelzung von Dokumentarischem und Theater bekannt ist – und unterstreicht damit den Fokus des Festivals auf die Auseinandersetzung mit aktuellen Konflikten.
Raus Arbeiten basieren häufig auf der Nachstellung realer Ereignisse mit Laien, wobei er Themen wie Kolonialismus, Kriegsverbrechen und Extremismus aufgreift. In "Das Kongo-Tribunal" (2015) inszenierte er Anhörungen zur Ausbeutung durch Konzerne im Kongo, "Breiviks Erklärung" (2014) setzte sich mit rechtsterroristischen Anschlägen in Norwegen auseinander, und "Putins Prozesse" (2020) thematisierte politische Repression in Russland. Nun richtet sich "Der Prozess gegen Deutschland" auf heimischen Extremismus – mit Juristen und Rechtsexperten, die in einem strukturierten Gerichtsformat über die Zukunft der AfD debattieren.
Die Verhandlung wird live im Thalia Theater aufgeführt und gleichzeitig auf der Website des Theaters gestreamt, um eine breitere öffentliche Teilhabe zu ermöglichen. Däubler-Gmelins Rolle als vorsitzende Richterin verleiht der Simulation zusätzliches Gewicht, spiegelt sie doch ihre langjährige Erfahrung in deutschen Höchstgerichten wider. Das Projekt führt Raus Methode fort, Theater als Medium zu nutzen, um Macht, Gerechtigkeit und Demokratie zu hinterfragen – diesmal auf deutschem Boden.
Mit "Der Prozess gegen Deutschland" endet das Festival mit einer direkten Herausforderung an die politische Landschaft des Landes. Indem die Produktion eine fiktive Verbotsdebatte inszeniert, zwingt sie das Publikum, sich mit den rechtlichen und ethischen Grenzen rechtsextremer Bestrebungen auseinanderzusetzen. Der Livestream sorgt dafür, dass die Diskussion über die Theaterwände hinauswirkt und zu einer weiteren Reflexion über die Widerstandsfähigkeit der Demokratie anregt.
Jury entscheidet: AfD ist verfassungswidrig in Milo Rau's 'Prozess gegen Deutschland'
Das simulierte Verfahren endete mit einer 5-2-Entscheidung, die die AfD in ihren Grundsätzen der Demokratie für verfassungswidrig erklärte. Wichtige Entscheidungen waren:
- 5-2 Stimmen für die Verletzung der Menschenwürde.
- 5-2 Aufruf an die Verfassungsorgane, ein Verbot zu prüfen.
- 5-2 Forderung nach dem Ausschluss der AfD aus der staatlichen Finanzierung.