NRW-Polizei rüstet digital auf: Neue OSINT-Teams gegen Online-Kriminalität
Julian HerrmannNRW-Polizei rüstet digital auf: Neue OSINT-Teams gegen Online-Kriminalität
Nordrhein-Westfalens Polizei stärkt ihre digitalen Ermittlungskompetenzen
Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat eine großangelegte Offensive gestartet, um ihre Fähigkeiten im Bereich der Online-Ermittlungen auszubauen. Die Initiative umfasst mehr Personal, neue digitale Streifenteams und fortschrittliche Schulungen in Open Source Intelligence (OSINT). Ziel ist es, die Ermittlungsbehörden bei der Beschaffung und Auswertung von Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen wie sozialen Medien zu verbessern.
Das Landeskriminalamt (LKA) Düsseldorf hat sein OSINT-Team deutlich ausgebaut. Was einst als Zweier-Team begann, ist mittlerweile zu einer Abteilung mit 16 Spezialisten angewachsen. Dazu gehören IT-Experten, Soziologen, Politikwissenschaftler und andere Fachkräfte unter der Leitung von Fabian Coenen, dem 42-jährigen Leiter der Abteilung 22.2, die sich auf politisch motivierte Kriminalität konzentriert.
Laura Ellrich, eine 28-jährige Beamtin, stieg 2022 nach ihrem Berufsstart in Witten in die Staatsschutzabteilung des LKA ein. Heute arbeitet sie im Team von Coenen und spezialisiert sich auf OSINT-Ermittlungen.
Der unter dem Codenamen „Digitale Streife“ laufende Ausbau hat dem LKA zehn neue Beamte gebracht, davon sechs für Coenens Einheit. Fast 100 weitere Polizisten in sechs regionalen Behörden sind ebenfalls eingebunden. Marc Restemeyer, ein 37-jähriger Ausbilder beim Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) in Neuss, leitet die Schulungen für die neuen Kräfte. Zu seinen Aufgaben gehört die Vorbereitung von LKA-Mitarbeitern sowie Beamten der „Digitalen Streife“-Einheiten im gesamten Bundesland.
Restemeyer und sein Team haben ein Online-Schulungstool entwickelt, um die OSINT-Ausbildung zu standardisieren. Das System stellt sicher, dass die Teilnehmer innerhalb weniger Tage einsatzbereit und rechtlich geschult sind. Die Schulungen am LAFP vermitteln, wie Daten aus offenen Quellen – etwa sozialen Medien – gesammelt und analysiert werden.
Sechs spezialisierte OSINT-Einheiten unterstützen nun die Staatsschutzarbeit in Nordrhein-Westfalen. Diese Teams leisten bei dringenden Einsätzen, insbesondere im Zusammenhang mit schnell eskalierenden politischen Ereignissen, Soforthilfe. Die Initiative umfasst zudem verdeckte Online-Ermittlungen und KI-gestützte Arbeitsplätze, um die digitalen Polizeikapazitäten zu stärken.
Der Ausbau der OSINT-Teams und das Projekt „Digitale Streife“ stellen eine bedeutende Aufrüstung der Ermittlungsinstrumente in Nordrhein-Westfalen dar. Mit mehr geschultem Personal, standardisierten Ausbildungsmethoden und modernen digitalen Ressourcen ist die Polizei besser gerüstet, um Online-Bedrohungen und politisch sensible Ermittlungen zu bewältigen. Die Veränderungen spiegeln die zunehmende Abhängigkeit von digitaler Aufklärung für die öffentliche Sicherheit wider.






