Sachsen-Anhalt ignoriert Mindestlohn-Kontrollen trotz geplanter Lohnerhöhung 2027
Julian HerrmannSachsen-Anhalt ignoriert Mindestlohn-Kontrollen trotz geplanter Lohnerhöhung 2027
Mindestlohn-Kontrollen in Sachsen-Anhalt bleiben besorgniserregend lasch
Nach Angaben des Linken-Abgeordneten David Schliesing wird die Durchsetzung des Mindestlohns in Sachsen-Anhalt "sträflich vernachlässigt". Er spricht von einer "Vollzugsblindheit" und verweist auf massive Personalengpässe in den Aufsichtsbehörden. Die Kritik kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Land sich auf die geplante Lohnerhöhung im Jahr 2027 vorbereitet.
Im Jahr 2025 wurden in Sachsen-Anhalts Agrarsektor nur neun von 2.105 Betrieben kontrolliert. Landesweit führte die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) lediglich 691 Arbeitgeberprüfungen durch – ein leichter Anstieg gegenüber 677 im Vorjahr. Gleichzeitig sank die Zahl der Unternehmen in der Region von 65.738 im Jahr 2022 auf 62.211 im Jahr 2025.
Der gesetzliche Mindestlohn liegt derzeit bei 13,90 Euro, ab 2027 soll er auf 14,60 Euro steigen. Dennoch verdienen 23,3 Prozent der Beschäftigten in Sachsen-Anhalt weniger als 15 Euro pro Stunde. In Betrieben ohne Tarifbindung sind es sogar 35 Prozent. Ursprünglich hatte die Bundesregierung ein Mindestlohnziel von 15 Euro bis 2026 angestrebt.
Schliesing fordert nun die Einrichtung spezieller Staatsanwaltschaften zur Ahndung von Lohnverstößen. Zudem verlangt er dringend mehr Personal für den Zoll, um die Kontrollen zu verstärken. Die Debatte über faire Bezahlung und schärfere Überwachung wird vor der geplanten Lohnerhöhung 2027 voraussichtlich an Fahrt aufnehmen.
Die Kluft zwischen Mindestlohngesetz und dessen Umsetzung bleibt in Sachsen-Anhalt groß. Bei seltenen Kontrollen und weit verbreiteter Unterbezahlung wächst der Druck auf strengere Aufsicht. Die für 2027 vorgesehene Lohnerhöhung wird die Compliance- und Durchsetzungsbemühungen vermutlich noch stärker in den Fokus rücken.






