06 June 2026, 22:03

Streit um Beleidigungsklauseln: Soll Paragraf 188 fallen oder bleiben?

Koalition streitet über Abschaffung des §188

Streit um Beleidigungsklauseln: Soll Paragraf 188 fallen oder bleiben?

Die Debatte über Deutschlands Beleidigungsklauseln hat an Fahrt aufgenommen, nachdem Forderungen nach einer Reform oder Abschaffung von Abschnitten des Strafgesetzbuchs laut wurden. Politiker von CDU und Grünen setzen sich für die Streichung von Paragraf 188 ein, der Beleidigungen gegen Amtsträger unter Strafe stellt, während die SPD argumentiert, die Regelung schütze öffentliche Persönlichkeiten vor Hetze. Das Thema wird auf der kommenden Justizministerkonferenz in Hamburg diskutiert werden.

Auslöser der Diskussion war ein Gerichtsurteil, das eine Person wegen der Bezeichnung des CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz als „Lügenfritz“ (Lügner) zu einer Geldstrafe verurteilte. Die CDU-Politikerin Constanze Geiert schlug vor, Paragraf 185, der allgemeine Beleidigungen regelt, zu reformieren und Paragraf 188 entweder abzuschaffen oder einzuschränken. Der CDU-Abgeordnete Günter Krings unterstützte die Abschaffung von Paragraf 188, lehnte aber mildere Strafen für Beleidigungen ab. Stattdessen schlug er vor, die strengeren Sanktionen auf Paragraf 185 auszuweiten.

Die SPD in Niedersachsen kritisierte die Pläne scharf. Carmen Wegge betonte, Paragraf 188 schütze ehrenamtliche Kommunalpolitiker und Bürgermeister vor verbalen Angriffen. Die SPD-Politikerin Kathrin Wahlmann kündigte an, am bestehenden Gesetz festzuhalten, und warnte, eine Abschaffung würde Amtsträger schutzlos zurücklassen. Sie forderte stattdessen, den Fokus auf die Bekämpfung von Hassrede und Volksverhetzung zu legen.

Der Grünen-Europaabgeordnete Erik Marquardt sprach sich für die Streichung von Paragraf 188 aus. Seiner Meinung nach sollten Politiker vor tatsächlichen Drohungen oder Gewalt geschützt werden – nicht vor Kritik oder beleidigender Sprache. Die Debatte entsteht vor dem Hintergrund zunehmender Berichte über Feindseligkeiten gegenüber Personen des öffentlichen Lebens.

Auf der Justizministerkonferenz nächste Woche werden die vorgeschlagenen Änderungen beraten. Sollte Paragraf 188 fallen, hätten Politiker keinen Sonderrechtsschutz mehr gegen Beleidigungen. Das Ergebnis könnte maßgeblich prägen, wie öffentliche Persönlichkeiten in Deutschland künftig mit verbalen Angriffen umgehen.

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