Stuttgart 21: Kostenexplosion und Verzögerungen gefährden das Milliardenprojekt
Philipp HuberStuttgart 21: Kostenexplosion und Verzögerungen gefährden das Milliardenprojekt
Stuttgart 21: Millardenprojekt steht wegen Kostenexplosion und Verzögerungen erneut in der Kritik
Das Großprojekt Stuttgart 21, eines der ambitioniertesten Bahnvorhaben Deutschlands, gerät wegen weiter steigender Kosten und massiver Verzögerungen erneut unter Druck. Der unterirdische Hauptbahnhof, das Kernstück des Projekts, sollte ursprünglich 2026 fertiggestellt werden – nun wird die Eröffnung mindestens fünf Jahre später erfolgen als geplant.
Die Bauarbeiten begannen 2010 mit einem veranschlagten Budget von 4,5 Milliarden Euro. Ziel war es, den alten Kopfbahnhof durch einen modernen Tiefbahnhof zu ersetzen. Doch von Anfang an war das Vorhaben von Kontroversen geprägt, darunter die gewaltsame Polizeireaktion bei einer Demonstration 2010 gegen den Abriss des alten Bahnhofs, bei der über 100 Protestierende verletzt wurden.
Die Grünen, die das Projekt seit Langem ablehnten, gewannen bei der Landtagswahl 2011 deutlich an Einfluss und wurden zweitstärkste Kraft in Baden-Württemberg. Trotz politischen Gegenwinds wurden die Arbeiten fortgesetzt – doch bald häuften sich die Probleme. Kritiker wiesen auf mangelnde Brandschutzvorkehrungen und zahlreiche technische Planungsfehler hin.
Mittlerweile sind die Kosten explodiert: Die Deutsche Bahn geht inzwischen von Gesamtkosten in Höhe von 14,5 Milliarden Euro aus. Über 1.000 Kilometer Kabel und Leitungen wurden fehlerhaft verlegt und müssen nun ausgetauscht werden. DB-Chefin Evelyn Palla führte die jüngste Verzögerung kürzlich auf die Komplexität der Digitalisierung des Stuttgarter Eisenbahnknotens zurück. Ministerpräsident Cem Özdemir (Baden-Württemberg) fordert unterdessen klarere Fortschrittsberichte und verlässliche Fertigstellungstermine.
Das Herzstück des Projekts, der unterirdische Bahnhof, wird frühestens 2031 in Betrieb gehen. Das Budget hat sich seit Baubeginn mehr als verdreifacht. Technische Pannen und Planungsmängel bleiben weiterhin erhebliche Hindernisse auf dem Weg zur Vollendung.
