Thüringer Pilotprojekt zeigt: Jugendliche brauchen Schutz vor digitaler Gewalt dringender denn je
Paul SimonThüringer Pilotprojekt zeigt: Jugendliche brauchen Schutz vor digitaler Gewalt dringender denn je
Dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen zeigt dringenden Bedarf an Aufklärung über digitale sexualisierte Gewalt
Ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen hat den dringenden Bedarf an Aufklärung über digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen deutlich gemacht. Unter der Leitung von Yasmina Ramdani erreichte die Initiative rund 5.000 Schülerinnen und Schüler im gesamten Bundesland. Doch trotz des Erfolgs gibt es bundesweit keine Daten darüber, wie viele Schulen seit dem Projektende ähnliche Programme eingeführt haben.
Das von der Thüringer Landesbeauftragten für den Kinderschutz finanzierte Projekt war das erste seiner Art in Deutschland. In Workshops wurden Jugendliche über ihre Rechte aufgeklärt und darin bestärkt, ihre Erfahrungen mit digitaler Gewalt ernst zu nehmen. Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich jedoch oft überfordert, das Thema anzusprechen, und viele wissen nicht, wie sie im Ernstfall eingreifen sollen.
Aktuelle Studien unterstreichen das Ausmaß des Problems. Eine Untersuchung des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit ergab, dass fast die Hälfte aller Jugendlichen bereits digitale sexualisierte Gewalt erlebt hat. 2025 gab fast jedes vierte Kind an, Opfer von Cybergrooming geworden zu sein – dabei bauen Täter über Chats Vertrauen auf, um später Missbrauch zu begehen. Auch innerhalb von Peer-Groups kommt es zu Vorfällen, wenn Jugendliche explizite Inhalte teilen, ohne die Risiken zu erkennen.
Fachleute fordern ein umfassenderes Vorgehen, um das Problem zu bekämpfen. Dazu gehören die Verantwortung von Tech-Konzernen, Investitionen in Prävention und die Aufforderung an Eltern, mit ihren Kindern über Grenzen zu sprechen. Ohne eine abgestimmte Strategie wird sich die Situation voraussichtlich verschärfen.
Das Thüringer Pilotprojekt lieferte Schulen ein Modell, doch seine langfristige Wirkung bleibt unklar. Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, wie weit sich solche Workshops seit Projektende verbreitet haben. Derzeit liegt es an einzelnen Schulen, Eltern und Politikerinnen und Politikern, die wachsende Bedrohung für Jugendliche im Netz anzugehen.






