Wie Opernhäuser auf Instagram zur Lifestyle-Marke werden – und die Kunst vernachlässigen
Philipp HuberWie Opernhäuser auf Instagram zur Lifestyle-Marke werden – und die Kunst vernachlässigen
Große Opernhäuser verändern ihre Präsenz in den sozialen Medien. Statt den Fokus auf die Kunst zu legen, nutzen viele Instagram inzwischen, um Lifestyle und Unterhaltung zu bewerben. Diese Entwicklung hat zu einem kommerzielleren Image der Oper insgesamt geführt.
Die Wiener Staatsoper setzt mit ihrem Account auf einen verspielt-leichten Ansatz. Hemma und Jakob betreiben die Seite und präsentieren die Oper als gesellschaftlichen Treffpunkt oder kulinarisches Erlebnis. Sie teilen Anleitungen, wie man am besten am Pausenbuffet bestellt, und erklären Besuchern einfache Benimmregeln.
Auch die Festspielhaus Baden-Baden schlägt einen ähnlichen Weg ein. Die Gastgeber geben sich modern und bewerben Veranstaltungen wie „Klassik und Spritz“ oder „Sundowner mit DJ auf der Terrasse“. Im Mittelpunkt stehen dabei eher Drinks und Dresscodes als die Aufführungen selbst.
In Berlin dominiert bei der Staatsoper auf Instagram die Einbindung von Sponsoren. BMW wird häufig erwähnt – ein Zeichen dafür, dass hier Unternehmenspartnerschaften wichtiger sind als künstlerische Inhalte.
Die Bayerische Staatsoper hebt sich ab, indem sie die Musik in den Vordergrund stellt. Die Beiträge drehen sich um Wagner, das Orchester oder philosophische Themen. Das steht im krassen Gegensatz zu jüngeren Influencern, die konsumorientierte Trends pushen und die Oper zur leichten Unterhaltung umdeuten.
Opernhäuser vermarkten sich heute oft als Lifestyle-Marken statt als künstlerische Institutionen. Das Ergebnis ist ein einheitlicheres, aber auch oberflächlicheres Opernimage. Traditionelle Tiefe und Provokation weichen zunehmend gefälligem Content und kommerziellem Charme.
