11 April 2026, 16:04

Apotheker empören sich über 3,5-Milliarden-Überschuss der Krankenkassen – und fühlen sich betrogen

Plakat mit Text, der besagt, dass Big Pharma Amerikaner im Jahr 2022 zwei bis drei Mal so viel für dieselben Medikamente berechnet hat wie andere Länder, mit Flaschen und einer Spritze.

Apotheker empören sich über 3,5-Milliarden-Überschuss der Krankenkassen – und fühlen sich betrogen

Gesetzliche Krankenversicherung verzeichnet 2022 einen Überschuss von 3,5 Milliarden Euro – Apotheker fühlen sich übergangen

Die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland hat im Jahr 2022 einen Überschuss von 3,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Doch der unerwartete Finanzzuwachs sorgt für Frust bei Apothekerinnen und Apothekern, die betonen, maßgeblich an der Entstehung dieser Mittel beteiligt gewesen zu sein. Ein Apothekeninhaber hat nun direkt an die Gesundheitsministerin geschrieben, um seinen Unmut über die Verwendung des Geldes zum Ausdruck zu bringen.

Frank-Martin Welzig, Betreiber der Hils-Apotheke in Delligsen (Niedersachsen), richtete einen Brief an Gesundheitsministerin Nina Warken, in dem er die Handhabung des Überschusses durch das System kritisierte. Er argumentiert, dass Apotheken die zusätzlichen Mittel faktisch durch die Durchsetzung von Rabattverträgen mit Arzneimittelherstellern generiert hätten. Diese Verträge, so Welzig, zwängen die Apotheken dazu, einen Großteil der administrativen Arbeit zu übernehmen – und gleichzeitig den verwirrten Patientinnen und Patienten die Änderungen zu erklären.

Den Überschuss bezeichnete Welzig als direkte Folge der Leistungen der Apotheken und forderte, ihn als Anerkennung ihres Beitrags zu würdigen. Dennoch nannte er die jüngsten Reformvorschläge der Regierung für Apotheken – ein Entwurf, der die Festgebühr unverändert lässt – eine "Ohrfeige für den gesamten Berufsstand". Sein Schreiben spiegelt eine breitere Unzufriedenheit unter Apothekern wider, die das Gefühl haben, ihre finanziellen Nöte würden ignoriert.

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Unterdessen relativiert der GKV-Spitzenverband, der Dachverband der gesetzlichen Krankenkassen, die Bedeutung des Überschusses. Dort heißt es, die Mittel reichten nicht aus, um die Rücklagen des Systems vollständig aufzufüllen – es bleibe daher kaum Spielraum für Umverteilungen oder zusätzliche Unterstützung für Apotheken.

Die 3,5 Milliarden Euro haben die Spannungen zwischen Apothekern und Gesundheitsbehörden offengelegt. Während die Regierung betont, das Geld werde benötigt, um die Reserven zu stärken, werfen Apothekeninhaber wie Welzig dem System vor, zu stark auf ihre unentgeltliche Arbeit angewiesen zu sein. Der Streit dreht sich nun darum, ob der Reformentwurf diese Bedenken aufgreift – oder sie weiter ungelöst lässt.

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