Joseph Beuys' einzige DDR-Ausstellung: Kunst im Schatten der Zensur
Philipp HuberJoseph Beuys' einzige DDR-Ausstellung: Kunst im Schatten der Zensur
Jahre lang hatte die sozialistische Regierung der DDR Joseph Beuys als "unerwünschte Person" abgetan. Doch nach seinem Tod 1986 konnten selbst die Kulturfunktionäre der DDR seinen Einfluss nicht länger ignorieren. Es folgte eine historische Ausstellung – die erste und einzige offizielle Präsentation seiner Werke im Land.
Der Wandel begann, als Manfred Wekwerth, Präsident der Akademie der Künste, einen Brief an das Zentralkomitee der SED richtete. Darin anerkannte er Beuys' Bedeutung und ebnete so den Weg für Verhandlungen. Das Ergebnis war Beuys vor Beuys, eine Schau mit 216 frühen Werken aus der Sammlung van der Grinten, entstanden zwischen 1946 und 1966.
Die Ausstellung eröffnete Mitte Januar 1988 im Berliner Marstall und zog später weiter an die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Trotz ihres Umfangs vermied sie sorgfältig jede Erwähnung von Beuys als gesellschaftlich engagiertem Künstler oder Demokraten.
Die Schau lief bis Mitte Mai 1988 und blieb die erste – und letzte – offizielle Beuys-Ausstellung in der DDR. Zu diesem Zeitpunkt stand das Land bereits kurz vor seinem Ende und löste sich nur ein Jahr später, 1989, auf.
Die Ausstellung bot einen seltenen Einblick in Beuys' Werk innerhalb des kontrollierten Kulturrums der DDR. Zwar wurden seine politische und gesellschaftliche Aktivität ausgeklammert, doch markierte sie dennoch einen Wendepunkt. Zum ersten Mal konnten ostdeutsche Besucher seine Kunst sehen – wenn auch nur einen sorgfältig ausgewählten Ausschnitt.






