Merz und Syriens Präsident planen Rückkehr von 80 Prozent der Geflüchteten – doch Experten warnen
Julian HerrmannMerz und Syriens Präsident planen Rückkehr von 80 Prozent der Geflüchteten – doch Experten warnen
Bundeskanzler Friedrich Merz und der syrische Präsident Ahmed al-Sharaa haben ein ehrgeiziges Ziel ausgegeben: Innerhalb von drei Jahren sollen 80 Prozent der in Deutschland lebenden syrischen Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren. Der Vorschlag sorgt für kontroverse Diskussionen – Experten warnen vor enormen Herausforderungen für die Menschen, die seit einem Jahrzehnt unter den Folgen des Krieges leiden.
Aktuell leben rund 936.000 syrische Staatsbürger in Deutschland, darunter mehr als 700.000, die vor dem Bürgerkrieg geflohen sind. Viele haben sich ein neues Leben aufgebaut, arbeiten in Jobs und schicken ihre Kinder zur Schule. Doch der Vorstoß der Bundesregierung zur Rückführung stößt bei Integrationsfachleuten auf scharfe Kritik.
Winfried Kluth, Vorsitzender des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration, argumentiert, der Plan wecke falsche Hoffnungen und blende die harte Realität aus. Besonders in Nord- und Nordostsyrien herrsche weiterhin Gewalt, die eine sichere Rückkehr nahezu unmöglich mache, warnt er. Selbst abseits der Sicherheitsrisiken liege weite Teile der Infrastruktur des Landes in Trümmern – Wohnraum und Arbeitsplätze seien extrem knapp.
Kluth räumt zwar ein, dass Syrien dringend Wiederaufbau brauche, betont aber, dass die aktuellen Bedingungen keine Sicherheit garantieren könnten. Zudem verweist er auf die wirtschaftlichen Auswirkungen in Deutschland, wo viele Geflüchtete mittlerweile wichtige Rollen auf dem Arbeitsmarkt einnähmen. Die Abwägung zwischen ihren Interessen und den Rückführungszielen werde schwierig, gibt er zu bedenken.
Doch nicht nur die humanitäre Lage wirft Fragen auf: Angesichts der anhaltend prekären Bedingungen und der Instabilität in weiten Teilen Syriens ist ungewiss, ob eine Rückkehr in diesem Umfang überhaupt realistisch ist. Unterdessen verunsichert der Plan viele Geflüchtete in Deutschland – ihre Zukunft bleibt ungewiss.






