Neuer Schulroman bringt den armenischen Völkermord ins Klassenzimmer
Greta WernerNeuer Schulroman bringt den armenischen Völkermord ins Klassenzimmer
Ein neuer Roman bringt den Völkermord an den Armeniern in deutsche Klassenzimmer. "Auf der Straße haben wir andere Namen" von Laura Cwiertnia erschien im März bei Reclam Verlag als Pflichtlektüre für Schulen. Das Buch behandelt Themen wie Überleben, Gewalt und Vertreibung – und verbindet Literatur mit einer historischen Tragödie, die vor 111 Jahren begann.
Zwischen 1915 und 1923 wurden im Osmanischen Reich etwa 1,5 Millionen Armenier systematisch ermordet. Deutschland, als Kriegsverbündeter, war in die Gräueltaten verstrickt. Dennoch bleibt der Völkermord im Schulunterricht weitgehend ausgeklammert.
Der Deutsche Bundestag erkannte den Genozid 2016 in einem Beschluss an und forderte seine Aufnahme in die Lehrpläne. Doch viele Lehrkräfte lassen das Thema aus – mit Verweis auf überfüllte Lehrpläne, Zeitmangel und fehlende geeignete Materialien. Die Literaturwissenschaftlerin Swantje Ehlers argumentiert, dass fiktionale Texte diese Lücke schließen können.
Cwiertnias Roman begleitet Figuren, die mit Trauma, Migration und Diskriminierung ringen. Ehlers steuerte für die Reclam-Ausgabe ein Nachwort bei, das historischen Kontext liefert und Schülern helfen soll, sich emotional mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Hoffnung ist, dass Literatur eine komplexe und schmerzhafte Geschichte im Unterricht zugänglicher macht.
Die Aufnahme des Romans in den Schulkanon markiert einen Schritt, um ein lange vernachlässigtes Kapitel der Geschichte aufzuarbeiten. Angesichts der eigenen Rolle Deutschlands im Völkermord haben Lehrkräfte nun ein Werkzeug, um das Thema über Erzählungen zu vermitteln. Ob dies zu weiteren Änderungen in den Lehrplänen führt, bleibt abzuwarten.






