Nurejew-Ballett zwischen Triumph und Verbot: Kunst als politischer Zündstoff
Julian HerrmannNurejew-Ballett zwischen Triumph und Verbot: Kunst als politischer Zündstoff
Ein mutiges Ballett über das Leben Rudolf Nurejews erntet sowohl Beifall als auch Kontroversen
Die 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater uraufgeführte Produktion zeichnet Nurejews Weg von der Waganowa-Ballettakademie in Leningrad bis zum internationalen Ruhm nach. Doch wegen der Darstellung von LGBTQ+-Themen wurde das Stück im vergangenen Jahr in Russland verboten.
Das Ballett Nurejew stammt vom Choreografen Juri Possochow und dem Regisseur Kirill Serebrennikow. Es feierte 2017 in Moskau Premiere, doch Serebrennikow verpasste die Uraufführung wegen rechtlicher Probleme – später wurde er wegen Untreue verurteilt. Die Inszenierung verbindet Nurejews frühe Ausbildung, seine spektakuläre Flucht nach Frankreich und seinen Aufstieg zum weltweiten Star.
Die Bühne ist mit persönlichen Gegenständen gefüllt: Aktgemälde alter Meister, Thonet-Stühle, Sofas von Maria Callas und sogar Nachbildungen seiner mit Goldfäden bestickten Kostüme. Eine frühere Version des Balletts wurde 1995 in Berlin gezeigt, kurz nach der Versteigerung von Nurejews Nachlass. Der 1938 als Sohn baschkirisch-tatarischer Eltern geborene Tänzer starb 1993 in Paris an den Folgen von AIDS.
Kritiker bemängeln das ungleichmäßige Tempo der Produktion: Der erste Akt begeistert mit Energie, doch der zweite verliert trotz eindrucksvoller Solonummern und großer Ensembleszenen an Schwung. Possochow, in Luhansk geboren und heute US-Bürger, arbeitet weiterhin in Russland – trotz des anhaltenden Krieges gegen die Ukraine.
Das Ballett bleibt eine lebendige Hommage an Nurejews Widerstandsgeist und künstlerisches Genie. Das russische Verbot unterstreicht die Spannung zwischen künstlerischer Freiheit und politischer Repression. Gleichzeitig hält die aufwendige Inszenierung sein Erbe auf internationalen Bühnen lebendig.






