Rechtsextreme Tendenzen in Deutschland erreichen neuen Höchststand – was die MOTRA-Studie enthüllt
Philipp HuberRechtsextreme Tendenzen in Deutschland erreichen neuen Höchststand – was die MOTRA-Studie enthüllt
Eine große Studie zur Radikalisierung in Deutschland zeigt einen stetigen Anstieg rechtsextremer Tendenzen in den vergangenen vier Jahren. Die von neun Forschungseinrichtungen durchgeführte Untersuchung analysiert, wie sich die Einstellungen seit 2019 verändert haben. Die neuesten Ergebnisse, veröffentlicht in einem 600-seitigen Bericht, unterstreichen wachsende Bedenken hinsichtlich des Medieneinflusses und der öffentlichen Debattenkultur.
Das Projekt mit dem Namen MOTRA wurde von der Bundesregierung in Auftrag gegeben, um Radikalisierungstrends zu beobachten. Der aktuelle Bericht MOTRA-Monitor 2024/25 belegt, dass der Anteil der Menschen, die als "rechtsaffin" oder "latent rechtsextrem" eingestuft werden, von 21,8 % im Jahr 2021 auf 29,6 % im Jahr 2025 gestiegen ist. Die Forscher:innen werteten Antworten auf zehn Aussagen zu sechs verschiedenen Phänomenen aus, um rechtsextreme Einstellungen zu messen.
Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der Rolle "alternativer Nachrichtenmedien". Die Studie ergab, dass zwischen drei und vier Prozent der Befragten regelmäßig rechtsextreme Medien wie Compact, Junge Freiheit und Tichys Einblick konsumieren. Unter diesen Leser:innen vertraten 4,8 % ein "voll ausgeprägtes rechtsextremes Weltbild" – leicht unter dem bundesweiten Durchschnitt von 5,4 %. Die Autor:innen warnten, dass solche Medien Echokammern schaffen, die ihr Publikum von der öffentlichen Debatte abschotten und extreme Ansichten verstärken.
Trotz jahrelanger Forschung und zivilgesellschaftlicher Bemühungen kommt der Bericht zu dem Schluss, dass die Fortschritte bei der Bekämpfung von Radikalisierung begrenzt bleiben. Zudem wird betont, dass Akteur:innen, die "radikale, aber demokratisch legitime" Diskussionen über drängende Themen führen, oft kaum Gehör in der öffentlichen Debatte finden.
Der MOTRA-Bericht bestätigt einen deutlichen Aufwärtstrend rechtsextremer Einstellungen in ganz Deutschland. Als wesentlichen Faktor für diese Entwicklung nennen die Forscher:innen die Mediennutzungsgewohnheiten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Bekämpfung von Radikalisierung eine breitere Auseinandersetzung damit erfordert, wie Informationen verbreitet werden und wie öffentliche Diskurse strukturiert sind.






