Theaterprojekt in Jugendhaft: DNA begeistert mit emotionaler Aufführung
Paul SimonTheaterprojekt in Jugendhaft: DNA begeistert mit emotionaler Aufführung
Volles Haus in der Wiesbadener Jugendstrafanstalt: Junge Häftlinge begeistern mit Theaterstück DNA
Rund 80 Zuschauer füllten die Wiesbadener Jugendstrafanstalt, um sich DNA anzusehen – ein Stück, das sich mit Gruppendynamik und eskalierender Gewalt unter Jugendlichen auseinandersetzt. Die Aufführung markierte den jüngsten Erfolg eines langjährigen Theaterprojekts, das auf Resozialisierung und gesellschaftliche Wiedereingliederung abzielt.
Bei Fall des Vorhangs brandete begeisterter Applaus auf, es ertönten "Bravo!"-Rufe, und das Publikum stampfte mit den Füßen – die Darsteller und das Team mussten sich mehrfach für stehende Ovationen auf die Bühne zurückbegeben.
Das seit 2008 laufende Projekt nutzt Theater als strukturiertes Mittel der Resozialisierung. Jährlich wird eine Produktion einstudiert und aufgeführt, wobei die Karten innerhalb weniger Tage ausverkauft sind. Diesmal entschied sich Regisseur Matze Vogel für DNA des britischen Autors Dennis Kelly – ein Stück, das analysiert, wie Gruppenzwang und kollektives Verhalten unter Jugendlichen zu Gewalt führen können.
Fast 20 Insassen beworben sich für die diesjährige Produktion. Neun erhielten Rollen als Schauspieler, zwei übernahmen technische Aufgaben. Die Aufführung fand auf der hauseigenen Studiobühne statt – die einzige ihrer Art in einer deutschen Justizvollzugsanstalt.
Für die Häftlinge geht das Erlebnis über das reine Schauspielern hinaus. J., einer der Darsteller, beschreibt Theater als etwas, das ihm ein Gefühl von Freiheit vermittelt. E., ein weiterer Teilnehmer, erklärt, dass das Hineinschlüpfen in eine Figur ihm helfe, die eigenen Emotionen besser zu verstehen. Hinter den Kulissen meidet B., der technische Leiter, zwar die Bühne, ist aber stolz darauf, dass die Produktion reibungslos abläuft.
Kostümbildnerin Nathalie Meyer ist seit einem Jahrzehnt Teil des Projekts. Ihre Arbeit – zusammen mit der des Regisseurs und der Techniker – trägt zu einer professionellen Inszenierung bei, die die Erwartungen des Publikums herausfordert.
Die Resonanz auf das Stück unterstreicht die Wirkung des Projekts – sowohl auf die Akteure als auch auf die Zuschauer. Die Insassen gewinnen Selbstvertrauen, emotionale Einsicht und ein Verantwortungsbewusstsein. Die ausverkauften Vorstellungen zeigen zudem das große öffentliche Interesse an der Initiative.
Seit seinem Start bietet das Programm jungen Straftätern eine seltene Möglichkeit, sich kreativ zu betätigen – und zieht weiterhin Aufmerksamkeit auf sich, nicht zuletzt wegen seiner Rolle in der Resozialisierung.






