VW-Klimaprojekt in Tansania: Maasai kämpfen um ihre Lebensgrundlage
Volkswagen gerät wegen seines CO₂-Kompensationsprojekts in Tansania in die Kritik. Menschenrechtsorganisationen und Umweltschutzgruppen äußern Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die dort lebenden Maasai-Gemeinden. Das Projekt umfasst 900.000 Hektar – eine Fläche fast halb so groß wie Hessen.
Der Autokonzern setzt mit seinem Klimaschutzprogramm die Maasai unter Druck, ihre traditionellen Weidepraktiken zu ändern. Laut Volkswagens „Schnellrotations-Beweidungsplan“ müssen die Herden nun alle zwei Wochen statt wie bisher alle drei Monate umgetrieben werden. Zwar soll diese Umstellung die Kohlenstoffspeicherung optimieren, doch sie unterbricht jahrhundertealte Landnutzungsgewohnheiten.
Im April 2023 wurden während des Zertifizierungsverfahrens über 100 Beschwerden gegen das „Longido- und Monduli-Weideland-Kohlenstoffprojekt“ eingereicht. Menschenrechtsgruppen werfen Volkswagen vor, die grundlegenden Rechte der Gemeinden zu verletzen und ihre traditionelle Lebensweise nicht zu respektieren. Aktivisten wollen diese Vorwürfe auf der nächsten Hauptversammlung des Konzerns vorbringen und dabei sowohl die lokalen Folgen als auch mögliche Verstöße gegen internationale Standards thematisieren.
Auf der Volkswagen-Hauptversammlung 2023 wurden zudem 19.000 Stellenstreichungen in Deutschland bekanntgegeben – eine Folge sinkender Fahrzeugproduktion und Gewinne. Umweltverbände wie der BUND und die „Vereinigung kritischer Aktionäre“ fordern den Konzern auf, sich stattdessen auf die Produktion kleiner, effizienter Elektrofahrzeuge in Europa zu konzentrieren. Zudem sollten Gelder im Unternehmen gehalten statt hohe Dividenden ausgeschüttet werden. Nichtregierungsorganisationen argumentieren zudem, dass CO₂-Kompensationsprojekte die Ursachen des Klimawandels nicht bekämpfen und es Unternehmen ermöglichen, eigene Emissionsreduktionen zu umgehen.
Das Projekt stößt wegen seiner Auswirkungen auf die Maasai und der fragwürdigen ökologischen Bilanz auf breite Ablehnung. Volkswagen steht zunehmend unter Druck, die Kritikpunkte aufzugreifen und seine Nachhaltigkeitsstrategie zu überdenken. Auf der nächsten Hauptversammlung wird das Unternehmen voraussichtlich mit weiteren Nachfragen zu seinem Vorgehen konfrontiert.






