Gockels radikale *Wallenstein*-Neuinterpretation verbindet Schiller mit Wagner-Söldnern
Gockels radikale *Wallenstein*-Neuinterpretation verbindet Schiller mit Wagner-Söldnern
Regisseur Jan-Christoph Gockel inszeniert Schillers Wallenstein als kühne Neuinterpretation – eine Mischung aus Theater und Recherche über russische Wagner-Söldner
In einer mutigen Neufassung von Friedrich Schillers Wallenstein verbindet Regisseur Jan-Christoph Gockel Bühnenkunst mit Recherchen über die russische Wagner-Gruppe. Die gemeinsam mit dem Dramaturgen Michael Pietsch entwickelte Produktion kürzte und formte den Originaltext um und webte dabei moderne Parallelen ein.
Die sechsstündige Aufführung begann mit einem Vortrag des Historikers Sergei Okunev über den Kriegsunternehmer Jewgeni Prigoschin – ein provokanter Auftakt für den gestern abend.
Doch statt mit Schauspielern startete der abend mit einer Vorlesungsperformance: Okunev analysierte Prigoschins Aufstieg und bediente sich dabei eines Harry-Potter-Zauberspruchs – Ridikulus –, um Angst in schwarzen Humor zu verkehren. Anschließend beobachtete das Publikum, wie das Ensemble an einer langen Küchenzeile live Speisen zubereitete. Kameras und Mikrofone zoomen auf hackende Messer und rohe Zutaten, verwandelten das Kochen in ein Spektakel.
Nach und nach verwandelten sich die „Küchenkräfte“: Zuerst zu Bauern, dann zu Wallensteins Soldaten – dargestellt von Schauspielerinnen mit rasierten Köpfen und aufgesetzten Bärten. Die Inszenierung zerschnitt Schillers Text, fügte Prologe, Epiloge und neue Szenen ein. Im letzten Akt prallten zwei Erzählstränge aufeinander: ein Sieben-Gänge-Schlachtmahl, in dem die Geschichten wie Debattengegner aufeinandertrafen.
Gegen Ende betrat eine mechanische Vorrichtung kurz die Bühne. Sie bewegte den gelähmten Körper des Schauspielers Samuel Koch wie eine Marionette. Koch, in seiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt, gelang es, einige Armgesten und zwei bewusste Schritte zu machen, bevor die Maschine wieder verschwand.
Hinter den Kulissen hatte Michael Pietsch ein Koch-Puppentheater entworfen – ein auf Kochs körperliche Möglichkeiten zugeschnittenes Puppensystem. Der Effekt war flüchtig, doch umso eindringlicher: ein stiller Kontrast zum vorherigen Chaos der Inszenierung.
Die Kriegsprofiteure der Handlung behielten nie die volle Kontrolle. Wie in Prigoschins Kinderbuch blieb ihre Macht begrenzt – zurück blieb beim Publikum eine ungelöste Spannung zwischen Geschichte und Gegenwart.
Gockels Wallenstein verschmolz Drama des 19. Jahrhunderts mit der Kriegsführung des 21. Jahrhunderts, bediente sich dabei von Essen, Maschinen und fragmentiertem Text. Die sechsstündige Produktion endete mit mehr Fragen als Antworten. Doch eines wurde deutlich: der Versuch, die Mechanismen der Macht zu entlarven – auf der Bühne wie in der Realität.
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